Die 165. Mitgliederversammlung der Offiziersgesellschaft Stadt Bern (OGB) fand am 10. März 2026 im Haus der Universität statt. Ein volles Programm erwartete die Mitglieder und Gäste mit der Wahl eines neuen Präsidenten und zwei prominenten Gastrednern, Nationalrat Reto Nause und KKdt Benedikt Roos, Chef der Armee (CdA). Ein spannender und, mit dem gemeinsamen Nachtessen, entspannender Abend ist garantiert.
Präsident Oberst i Gst Frieder Fallscheer erteilt nach der Begrüssung zuerst das Wort an NR Reto Nause. Dieser erklärt mit Nachdruck die aktuelle Situation für unsere Armee. Der Bundesrat hat endlich erkannt, dass wir uns in einer ausserordentlichen Bedrohungslage befinden. Dies sei ein Lichtblick. Es braucht jedoch noch einmal 31 Milliarden CHF im Verteidigungsbudget. An der Erhöhung der MWSt um 0,8% hört es mit der Einigkeit im Parlament schon auf. Auf welche Art das Geld beschafft werden könnte führt zu unsäglichen Diskussionen. Mit wenigen, präzisen Worten erläutert NR Nause wo für die Verteidigungsfähigkeit die Prioritäten gesetzt werden müssen. Er spricht zudem die Abstimmungen über das Zivildienstgesetz und über die Änderung des Kriegsmaterialgesetzes an. Es sind äusserst wichtige Abstimmungen und er rechnet mit einem harten Abstimmungskampf. „Wir sind auf Euch alle angewiesen“, ruft der Nationalrat auf. Er weist auf die zunehmenden Kriegsereignisse der letzten Tage im Nahen Osten hin, und mit dem Chaos in Dubai hat die Schweiz vielleicht doch begriffen, dass wir nicht im Frieden leben. „Das Bewusstsein für die aktuelle Weltlage muss in der Bevölkerung wachsen!“
Nach verdientem Applaus übernimmt Oberst i Gst Fallscheer wieder das Ruder und steuert durch die Traktanden die zu keinerlei hochgehenden Wogen Anlass geben. In seinem Jahresbericht hält er fest, dass die Weltordnung schmilzt, die Schweiz tut hingegen so, als ob sie sich auf der «Insel der Glückseligen» befände. Die Mehrheit realisiert nicht, was sich da draussen abspielt. Der Angriff auf den Iran ist in der medialen Berichterstattung ein prominentes Thema, nicht aber in der Bevölkerung und in der Politik. Die Schweiz braucht nicht nur Versprechungen, sondern echte Verteidigungsfähigkeit. Seien wir Sprachrohr. Tragen wir es hinaus zu den Zweiflern, Sicherheit ist wieder ein Thema.
Oblt Grütter präsentiert die Rechnung und das Budget. Die Jahresrechnung wird einstimmig angenommen und die Décharge an den Vorstand erfolgt ebenfalls einstimmig.
Wegen Amtszeitbeschränkung tritt Oberst i Gst Fallscheer als Präsident zurück. Eine Findungskommission war erfolgreich und Major i Gst Michael Schifferli stellt sich zur Wahl. Er stellt sich gleich selber vor und wird, mit spontaner Akklamation zum neuen Präsidenten der OGB gewählt. Wir heissen ihn herzlich als Präsidenten willkommen, freuen uns auf weitere gute Zusammenarbeit, denn er ist bereits seit einigen Jahren als Webmaster und seit letztem Jahr als Stellvertretender Präsident im Vorstand. Jetzt sucht die OGB einen kompetenten Webmaster. Der restliche Vorstand wird in Globo per Akklamation wiedergewählt.
Adj Uof André Burri steht mit der Fahne bereit und Oberst i Gst Fallscheer übergibt feierlich die Fahne der OGB an Major i Gst Schifferli. Dieser nutzt gleich die Gelegenheit einer ersten Amtshandlung und dankt Kamerad Frieder herzlich für seinen unermüdlichen Einsatz für die OGB, und dies selbst in schwierigen Zeiten wie in der Corona-Pandemie. Mit digitalen Vorstandssitzungen hat er auch diese mit Bravour gemeistert. Dubai empfiehlt sich als Ferienort derzeit nicht, aber es gibt viele schöne Destinationen für Reisen mit der Familie. Dafür erhält er Gutscheine und als Reiseproviant etwas Flüssiges für die grosse Fahrt, eine Flasche dänischen Marine-Rum, unter ehrlichem, grossem Applaus. Damit ist der statutarische Teil der MV geschlossen.
Für KKdt Benedikt Roos ist es ein Heimspiel, wenn er als Berner in den ersten 100 Tagen als CdA bei einer Berner Offiziersgesellschaft das Wort an die Mitglieder richten darf. Auf der ersten Folie steht nur ein Satz: „Zusammen vorwärts“. Die nächste Folie zeigt eine etwas ungewohnte Weltkarte: die USA sind im Osten, Russland und China sind im Westen und Europa ganz oben links am Kartenrand. Ein völlig anderer Blickwinkel auf die Welt. Die Grossmächte entscheiden und Europa ist nicht mehr mit am Tisch. Die Folge davon ist: Wir müssen unser Schicksal wieder in die eigenen Hände nehmen. Demokratische Werte werden mit Füssen getreten. Wenn Europa gefährdet ist, ist auch die Schweiz gefährdet. Die baltischen Staaten machen sich ernsthafte Sorgen. Derzeit steht eine deutsche Brigade im Baltikum zur Unterstützung der NATO. Die Schweiz ist der rückwärtige Raum in Europa und hier sind kritische Infrastrukturen, wie Energie, Wasser, Eisenbahnen, die angegriffen werden könnten. Wie gehen wir damit um? Hier besteht Handlungsbedarf. Die Schweiz wird nicht verschont werden. Eine hybride Bedrohung haben wir schon heute. Haben wir die Realität erkannt? Und was unternehmen wir? Unsere Armee heute hat eine sehr reduzierte Durchhaltefähigkeit. Der CdA zitiert die Kriege im Iran, Israel, er mahnt an Dubai. Der Fokus liegt auf hybrider Bedrohung und der Bedrohung aus der Distanz. Wir haben keine moderne Raketenabwehr, keine Drohnen. Er geht weiter zum Thema Cyberbedrohung, Informationsraum, Desinformation. Wir sind noch nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden. Wir müssen uns klar fokussieren und Land und Leute schützen. Unsere Waffensysteme sind zu alt. Wir haben materiell nicht mehr in die Armee investiert. Wir müssen in schwere Mittel investieren und vor allem dürfen wir die Fähigkeiten diese zu bedienen und zu warten nicht verlieren. Dies betrifft alle Bereiche der Armee.
Der Referent geht zu den notwendigen Beschaffungen wie den F-35. Ohne Geld können wir keine Anzahlungen leisten wie sie derzeit gefordert werden. Wenn wir keine Anzahlungen leisten können, dies betrifft auch das System PATRIOT, landen wir ganz am Ende der Bestellerliste. Jetzt stellen die Rüstungsfirmen die Bedingungen. Teilweise muss bereits der ganze Betrag bezahlt werden, damit produziert und geliefert wird. Wer zu wenig Geld hat um nicht einmal eine Anzahlung zu leisten, ist eben der Letzte, den die Hunde beissen. Diese Tatsachen müssen wir jetzt mit aller Kraft angehen, erläutert der CdA. Unsere Gesellschaft befindet sich in einem Schwebezustand, die Armee erst recht. Wir müssen die Reihen schliessen und zusammenstehen. Sehr deutlich sagt der CdA lebhaft, dass jetzt genug Analysen gemacht worden sind, jetzt müssen wir machen. Die Systeme sind das eine, jedoch kommt es auf die Menschen an. Wir haben die besten Soldaten, weil wir eine Milizarmee sind. Sie bringen viel ziviles Wissen und Können mit in den Dienst, in die Ausbildung. Dass im äussersten Fall das eigene Leben der höchste Beitrag für das Land ist, das hat mit „die Armee muss halt attraktiv sein“ nichts zu tun, sondern mit Führung. Wir leben im schönsten Land der Welt und es lohnt sich, es zu verteidigen! Es ist ein Privileg.
Der lange Applaus bestätigt diese Ausführungen, die in kernigem Berndeutsch mit klaren Aussagen beim Publikum angekommen sind. Entsprechend zustimmend und ergänzend sind die Fragen. Wir müssen wieder vermehrt über Sicherheit reden. In der Politik, in der Familie, in der Bildungsstätte, im persönlichen Umfeld. Mit der gemeinsamen Vorstellung wie Sicherheit aussehen muss, können wir auch zusammenstehen. Wir müssen gemeinsam die Zusammenarbeit intensivieren mit den Kantonen, mit den Nachrichtendiensten, mit Fedpol. Da ist jeder von uns gefragt. Und bei den paar Rappen, welche es auf den täglichen Bedarf ausmacht, ist es eine Pflicht, hier als Politiker für die Erhöhung der MWSt einzustehen.
Gut so, sagt die schreibende AHV-Rentnerin, dann trinke ich künftig den Kaffee eben Schwarz, ohne Milch. Das ist es ihr Wert für die Erhöhung der MWSt zu plädieren. Der CdA wirkt überzeugend, mit grossem Ernst und mit Humor. Beim Apéro und beim gemeinsamen Nachtessen wird noch weiter diskutiert. Das war die Absicht. Zusammen vorwärts!.
Four aD Ursula Bonetti
