Mehr als 100 Anwesende, darunter viele Damen, zeigten sich im Kongresszentrum Hotel Kreuz interessiert am Vortrag von Br Daniel Krauer, Chef militärischer Nachrichtendienst (MND) und Dienst für präventiven Schutz der Armee (DPSA). Die sicherheitspolitische Lage entwickelt sich weltweit seit Jahren bedrohlicher, unvorhersehbarer und komplexer. Wohin dies führt liegt in der Zukunft die schwer einzuschätzen ist. Eine Standortbestimmung.

Br Krauer richtet seinen Blick auf die militärstrategische Lage, auf die Lage in der Ukraine, auf die Lage im Nahen Osten und auf die Abwehrlage. Br Krauer zeigt kurz den Unterschied der Gesetzgebung zwischen MND und Nachrichtendienst des Bundes (NDB) auf. Beim NDB ist der Bundesrat der Auftraggeber des Grundauftrages, beim MND ist es der CdA.

Die Weltordnung ist im Umbruch. Die Weltkarte zeigt die Grenzen der Einflusszonen, die Handelsrouten, die geopolitischen Einflussnahmen und zukünftige Einflussnahmen über die Beringstrasse. Amerika liegt im Osten und der Osten im Westen, Europa ganz klein oben am linken Rand. Amerika hat neue Strategien erlassen und festgeschrieben, dass China entlang der ersten Inselkette eingedämmt werden muss. China wird aber über die zweite Inselkette hinaus neue Handelsrouten suchen bis in den globalen Süden. Und das führt zu Konflikten.

Br Krauer betrachtet die Lage in Europa und der Schweiz heute, 21. April 2026. Wir haben in der Schweiz noch keine Sabotage kritischer Infrastrukturen, aber alle anderen Formen der hybriden Kriegführung werden angewandt. Doch Angriffe auf Wirtschafts- Verkehrs- und Innovationszentren könnten auf grosse Distanz erfolgen, es ist gar nicht mehr nötig, mit Panzern an die Landesgrenze zu kommen. Eine konventionelle Bedrohung kann man dennoch nicht ausschliessen. Die Schweiz hat keine Abwehrmittel, vor allem gegen Bedrohungen aus der Distanz. Und Präsident Trump mischt kräftig mit. Er ist der Haupttreiber der Unsicherheit. Er ist unberechenbar und er täuscht auch sein eigenes Volk und die Parlamente.

Wo ist die Position der Schweiz? Der alpine Rheinkorridor führt von Genua aus an die Alpen und mitten durch die Schweiz bis an die Nordsee. Es liegt in unserer Verantwortung diesen Durchgang zu verteidigen und zu schützen. Die Schweiz muss wieder verteidigungsfähig sein. Unsere Rüstungsbeschaffungen dauern 10 Jahre. Das braucht grosse Anstrengungen seitens Politik und Militär.

Zum Ukrainekrieg lässt sich Erich Maria Remarque abgeändert zitieren: Im Osten nichts Neues. Die Ukraine kann mit weitreichender Munition weit über Moskau hinaus wirken. Wir sehen auf stark vergrösserten Bildern, wie der Krieg geführt wird. Russland greift mit alter Taktik in Wellen an, ohne Rücksicht auf Verluste, materiell und personell. Was wie ein fahrender Geräteschuppen aussieht, ist ein Panzer der mit Holz und Wellblech getarnt worden ist, improvisiert, aber effektiv. Artilleriegeschütze sind eingegraben, mit Netzen getarnt und geschützt. Dichter Nebel hält Russland nicht davon ab, den Hauptstoss mit Soldaten auf Motorrädern zu führen. Im Donbass wird um Quadratmeter gekämpft. Solange sich Russland auf dem Vormarsch befindet besteht kein Interesse, eine Friedenslösung zu finden. Der Potenzialvergleich Nato – Russland, zeigt eindrückliche Zahlen und Trends.

Der Referent erwähnt immer wieder den Donnerstag, 23. April 2026, es geht um die Waffenruhe im Mittleren und Nahen Osten. Wie wird Trump entscheiden? Wie ginge es dann weiter? Die Folie Naher Osten, Lageübersicht KW 17, zeigt die Lagefortschreibung mit operativer / strategischer Relevanz. Die militärischen Lageentwicklungsmöglichkeiten zeigt auf einer Darstellung weitere Angriffe aus der Distanz, Ausweitung der Zielkategorien und Akteure sowie die Verstärkung politischer Dissonanzen von USA/ISR bezüglich militärischer Operationen. Und speziell hervorgehoben ist die Tatsache der Seeblockade durch die USA und des Irans, während die Verhandlungen weitergeführt werden. Es wird ein Krieg auf Distanz geführt und ein weiteres Bild zeigt das Zusammenspiel der kritischen Faktoren im gleichen geografischen Raum. Beim Krieg auf Distanz basiert die Fähigkeitsdegradierung auf vier Kern-Fähigkeiten: Angriff, Aufklärung, Verteidigung und Logistik.

Israel verfolgt ein Gesamt-Sicherheitskonzept im südlichen Libanon und Syrien, wobei der Mount Hermon eine zentrale Rolle spielt für Frühwarnung und Kontrolle über die Wasserversorgung. 60% der Syrischen Landwirtschaft ist vom Wasser aus der Region des Mt. Hermon abhängig. Im Libanon sind die Zielkategorien der Luftangriffe darauf angelegt, die Hisbollah nachhaltig zu schwächen, auch ihre Wirtschaft, Sozialdienste, Führung, militärische Ziele, Wehrwille und Kohäsion.

Dies alles zur Lage im Nahen Osten. Eine geballte Ladung an Information die den MND und den DPSA täglich beschäftigen. Wir sind privilegiert, diesen Vortrag zu erleben, es braucht starke Nerven. Es bleibt der letzte Punkt: die Abwehrlage. Sie betrifft die aktuelle Bedrohung, Bedrohung durch Spionage (eine Realität) und schlussendlich die Lageentwicklungsmöglichkeiten, wie einen Angriff auf die NATO als gefährlichste, eine Fragmentierung Europas als bestimmende Möglichkeit oder Hybridität als wahrscheinlichste Lageentwicklung. Damit sind die Diskussions- und die Fragemöglichkeit eröffnet. Die Mitglieder der OGB machen davon regen Gebrauch. Nur langsam verschieben sich die Anwesenden zum Apéro, fast schweigsam, nachdenklich und tief betroffen. Quo vadis?

Four aD Ursula Bonetti

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